Wie wird der Stein zum Schmuckstück, zur Kugel oder Vase?
Werfen Sie einen Blick in unsere Werkstatt und schauen Sie dem Schleifer bei seiner Arbeit über die Schulter.


In früheren Zeiten plagten sich die Steinschleifer an großen Sandstein-Schleifrädern ab, dann gab es härtere und wirkungsvollere Schleifkörper aus Korund und Siliziumkarbid. Heute kommen in der Steinbearbeitung fast ausschließlich Diamantwerkzeuge zum Einsatz. Auch wir sägen und schleifen in unserer Werkstatt mit Diamant.

Vom Rohstein zu Kugel (Video)

Hans Wierer zeigt in diesem Video wie er in drei Schritten aus einem rohen Stein eine Kugel fertigt.

 So sehen die Kugeln am Ende aus

So sehen die Kugeln am Ende aus

Steinkugeln werden auf kreisrunden Schleifbahnen, also mit Hilfe von Schleifringen oder Schleifbechern geformt. Es genügen ein einzelner Schleifring und zwei geschickte Hände, doch gibt es auch Schleifautomaten mit 2, 3 oder 4 Schleifringen. Nötig ist auf jeden Fall ein möglichst gut vorgerundeter Kugelrohling, der sich auf dem Schleifring bewegen lässt ohne zu verhaken und wegzuspringen.

Kugelrohlinge können mit der Steinsäge angefertigt werden. Zuerst sägt man aus dem Rohstein einen Würfel und schneidet dann dessen Ecken und Kanten gleichmäßig ab. Bei größeren Rohstücken kann man auch die neu entstandenen kleineren Ecken und Kanten nochmals abschneiden und bekommt einen kugeligen Körper mit vielen Facetten. Diese Rohlinge werden auf einem Diamantschleifrad weiter abgerundet und sind dann bereit für den Kugelschleifring.

Kugelschleifmaschine

Zeitsparender fertigt man Kugelrohlinge mit einem Diamanthohlbohrer. Aus dem Rohstein wird ein Zylinder herausgebohrt, der – quer in eine Halterung eingespannt – nochmals durchbohrt wird. Diesen Bohrkern in der Halterung um 90° drehen, wieder anbohren, und man erhält einen Kugelrohling, bei dem nur noch 8 kleine Spitzen abgeschnitten oder weggeschliffen werden müssen, bevor er auf dem Schleifring weiter bearbeitet werden kann. 

Bohrmaschine mit Spülkopf und Diamanthohlbohrer

Wir verwenden Diamantschleifringe, um die Rohlinge in die perfekte Kugelform zu bringen. Anschließend wird die Oberfläche der Kugeln mit immer feineren Silizumkarbidschleifringen geglättet, Körnungsschritte 60 – 120 – 240 – 400 – 600 – 800 – 1000, und zuletzt auf einem Filzstock mit Aluminiumoxid- oder Diamantpulver auf Hochglanz poliert.

Vom Rohstein zum Cabochon

Um einen Cabochon, also einen gewölbt geschliffenen Schmuckstein herzustellen, wird zunächst der Rohstein in Scheiben geschnitten, die 1-2 mm dicker sein sollten als der fertige Cabochon. So hat man später beim Schleifen noch etwas Spielraum. Ist die Scheibe zu dick, dauert die Schleiferei länger. Ist sie zu dünn, fällt auch der fertige Cabochon oft dünner aus als beabsichtigt.

Steinsäge 700 mm Blatt

Auf der Steinscheibe den gewünschten Umriss des Cabochons anzeichnen und mit der Trimmsäge ausschneiden. Mit einem groben Diamantschleifrad (Körnung 80) wird der Cabochon in Form geschliffen und seine Wölbung ausgearbeitet. Detailkorrekturen können mit dem nächstfeineren Schleifrad (Körnung 220) ausgeführt werden.

Trimmsäge 150 mm Blatt

Wir verwenden zum Cabochonschleifen folgende Körnungsabstufung der Diamantschleifräder: 80 – 220 (harte Schleifräder mit Diamant auf Metallträger gesintert, tragen viel Material ab), danach 330 – 600 – 1200 – 3000 (weiche Schleifräder, Schleifband mit Diamant in Kunstharzbindung auf Moosgummiträger, geben beim Andrücken des Cabochons etwas nach und ermöglichen so das Schleifen gleichmäßiger Wölbungen). Bei zähen Steinen wie Jaspis und manchen Achatsorten gehen wir nach dem harten 220er Rad auf ein weiches mit Körnung 140. Trotz des gröberen Diamantkorns schleift das weiche Rad nicht so aggressiv wie das harte 220er, entfernt die Kratzer, die das harte Rad auf der Steinoberfläche hinterlässt, aber deutlich schneller als das weiche 330er und spart so jede Menge Zeit.

Schleifmaschine

Nach dem Schliff mit 330er Korn ist die Formgebung weitgehend abgeschlossen. Um später eine Silberöse am Cabochon befestigen zu können, wird jetzt mit einem 1 mm Diamanthohlbohrer das Loch für den Befestigungsstift der Öse in den Rand des Cabochons gebohrt. Sollte dabei mal der Bohrer abrutschen und auf dem Stein einen Kratzer hinterlassen, kann der jetzt noch problemlos weggeschliffen werden. (Beim fertig polierten Stück wären dazu mehrere Arbeitsgänge nötig.)

Die feineren Schleifräder ab Korn 600 tragen nur noch sehr wenig Material ab. Mit ihnen wird die Steinoberfläche schrittweise immer glatter geschliffen und auf die Politur vorbereitet.

Auf Hochglanz poliert wird der Cabochon auf einer Filzscheibe mit Polierpulver und etwas Wasser. Je nach Steinsorte kommt als Poliermittel Diamant, Aluminiumoxid, Zinnasche, Ceroxid, Chromoxid, Tripel oder Kleesalz zum Einsatz.

Zum Schluss wird noch die Öse mit Spezialkleber in der Bohrung befestigt, der Cabochon mit anderen Perlen zur Kette aufgefädelt oder mit dem passenden Seidenband versehen, und fertig ist ein neues Schmuckstück aus dem LAPIDARIUM.

Vom Rohstein zur Vase oder Schale (Video)

Hier erklärt Hans Wierer wie er in seiner Werkstatt Vasen bearbeitet und schleift.

Große, schwere Objekte wie Vasen oder Schalen können nicht frei Hand am feststehenden Schleifrad bearbeitet werden. Hier kommt die „Nassflex“ zum Einsatz, ein Winkelschleifer, der für die Arbeit mit Diamantschleifpads über einen Spülkopf zur Wasserzufuhr verfügt, denn die Pads müssen wie die meisten Diamantwerkzeuge mit Wasser gekühlt werden, das außerdem den Schleifstaub bindet. Wir verwenden ein druckluftbetriebenes Modell. Es ist leichter, handlicher und weniger störanfällig als ein Elektrogerät.

Druckluft-Winkelschleifer

Die Oberfläche des sicher fixierten Rohsteins wird in 8 Arbeitsgängen mit immer feineren Diamantpads geschliffen und schließlich auf Hochglanz poliert. Zwischen den einzelnen Schleifdurchgängen muss der Stein vollständig trocknen, denn nur so ist zu erkennen, ob die ganze Oberfläche gleichmäßig geschliffen wurde. Vergessene raue Stellen sind später mit den feineren Schleifpads nicht mehr zu beseitigen.

Vor dem Schliff der Oberfläche wird bei Vasen eine ebene Standfläche gesägt, das Innere mit einem Diamanthohlbohrer ausgebohrt und mit Epoxidharz wasserdicht versiegelt. Bei den Schalen wird die Höhlung mit Steinsäge und Druckluftmeissel grob vorgearbeitet und dann mit konischen Schleifpads fein ausgeschliffen.

Kameraassistentin Leila (Video)

Kann ich das auch?

Für alle, die es selbst mal probieren wollen, ein paar Tipps und eine Warnung: Der Spaß wird schnell teuer und braucht Platz! Mit der Schleifmaschine allein ist es nicht getan. Dazu kommt bald die Säge… und dann noch eine größere Säge… und eine Bohrmaschine… und eine separate Poliermaschine…und das Kugelschleifgerät…und, und, und…

Und wenn Sie keinen eigenen Garten haben, in dem Sie den Steinschlamm vom Schleifen und Sägen als Mineraldünger und Moosvertreiber verteilen können, sondern ihn durch den Abfluss oder das Klo jagen, werden Sie bald die Erfahrung all jener machen, die das mit gebrauchter Katzenstreu versucht haben: Der freundliche Mann von der Rohrreinigung präsentiert die Rechnung. Also nicht das Absetzbecken für den Schleifschlamm vergessen. Dass Zeug setzt Abflussrohre erstaunlich effektiv zu.

Schleifschlamm Absetzbecken

Anbieter von Werkzeugen und Maschinen für die Schlamm-(und Schmuckstein-)produktion finden Sie zahlreich im Internet unter Steinbearbeitung, Steinmetzbedarf, Steinschleiferei, lapidary tools und ähnlichen Suchbegriffen. Hier bieten auch viele begnadete aber auch manch fragwürdige Bastler ihre selbstgebauten Maschinen als preiswerte Alternative zu den Markengeräten an. Aber Vorsicht, manches Eigenbaugerät sieht eher aus wie die Fortsetzung des Elektrischen Stuhls mit anderen Mitteln.

Wir beziehen unsere Werkzeuge bei AQUARUS, Stone Development &Tools (www.aquarus.net; bietet auch Schleifkurse an) und bei Steinmetzbedarf Wilhelm Lang (www.lang-steinmetzwerkzeuge.de). 


Unser Angebot im Überblick